HamSphere-Hotspotting
2013-11-26 15:17
Liebe HS-Freunde!

Die deutschsprachigen Aktivitäten auf HamSphere sind nicht gerade berauschend. Als Hauptgrund vermute ich, dass viele Old Men sich darauf reduzieren, nur noch neue Länder zu arbeiten. Bei der im Allgemeinen sehr guten HS-Verbindungsqualität besteht die einzige Herausforderung ab einem gewissen Länderstand dann primär darin, eben so ein neues Land im Cluster zu finden und im Pile up zu arbeiten. Diese Momente der Herausforderung werden bei einem Länderstand jenseits der 120 allerdings immer seltener - und damit leider oft auch die eigene Sendeaktivität!

Mein Vorschlag wäre daher, HS-Verbindungen in deutscher Sprache durch Einführung eines entsprechenden Aktivitätsprogramms zu fördern. Mit anderen Worten: Das neue Programm sollte dem eigenen Tun wieder tägliche neue Ziele setzen und so zum eigenen CQ-Rufen bzw. Antworten motivieren.

Weniger gut sind dazu DXpeditionen zu raren Ländern oder Inseln geeignet: Sie finden viel zu selten statt - nicht zuletzt, weil sie für die DXpeditionsteilnehmer einen immensen Aufwand bedeuten und die QSOs in der Regel auf Englisch laufen. Wesentlich sinnvoller als klassische DXpeditionen erscheinen mir sogenannte "Intra-Country Expeditions", also relativ "kleinräumige" Expeditionen zu markanten Punkten in der näheren Umgebung des eigenen Wohnortes - etwa so, wie das beim SOTA- oder COTA-Programm innerhalb der Ham Community ziemlich rege praktiziert wird und großen Anklang findet.

Nun möchte ich freilich nicht unbedingt SOTA (Summits on the Air) eins zu eins auf HamSphere umlegen: Zu schwierig ist es oft, von exponierten Berggipfeln weit weg von jeder Infrastruktur via Smartphone mit HS-App ein Telefonnetz vernünftig zu erreichen. (Ich weiß, wovon ich rede: Ich habe es im teilweise hochalpinen OE versucht und dabei jede Menge Enttäuschungen erlebt!) Besser wäre es, sogenannte Hotspots (= selbstdefinierte besondere Plätze wie Bauwerke, Museen, Naturdenkmäler, Veranstaltungsorte, Aussichtspunkte, historische Plätze, Naturdenkmäler usw.) im eigenen Land gezielt zu aktivieren/arbeiten und damit in einer gemeinsamen Anstrengung quasi das ganze Land im Laufe der Zeit mit derartigen Hotspots zu überziehen.

Das Vergnügen wäre ein mehrfaches:

1 Aussuchen eines geeigneten Zieles und Erklärung zum Hotspot
2 Planen der Expedition
3 Aufsuchen und Aktivieren des Hotspots (bzw. Arbeiten eines gerade aktiven Hotspots von zu Hause aus) via HS
4 Einsenden der eigenen Hotspot-Verbindungen an eine zentrale Stelle (Programmmanagement) zur Verwaltung/Dokumentation im Web

Dabei sollten wir weniger die Individualleistungen in den Vordergrund stellen, sondern miteinander statt gegeneinander an der Erreichung des gemeinsamen Ziels (möglichst viele Hotspots > Steigerung der Aktivität) arbeiten. Also keine großartige Wertungstabelle, eher eine simple Liste (oder ev. auch Landkarte), die den Fortschritt des gemeinsamen Werks dokumentiert - etwa in Form eines einfachen Excel-Sheets, (abrufbar im Web) mit z. B. folgender Kopfleiste:

Aktivitätsdatum Hotspot Hotspot-Locator Aktiviert von (Call) Gearbeitet von (Call) Sonstiges (z. B. Link zu Foto oder näherer Beschreibung)

Durch Setzung der in Excel eingebauten Filter wäre es jedem möglich, bei Bedarf einen Blick auf die individuellen Beiträge jedes Teilnehmers zu werfen.

Dieser neue Ansatz (gemeinsam statt gegeneinander) könnte die deutschsprachigen HS-Aktivitäten wesentlich steigern; er wäre zudem organisatorisch für ein eingespieltes kleines Team (Programmmanagement) vermutlich gut bewältigbar und würde kaum jemanden zu Schwindeleien verführen, was wiederum aufwändige Kontrollmechanismen (QSL-Einsendung) spart.

Wie denkt ihr darüber?

73, Alfred, OE5AKM
Re: HamSphere-Hotspotting
2013-12-02 17:22
Hallo Alfred,

die Idee ist sicher nicht schlecht.

Ich kann jetzt nur von mir ausgehen: Meine Intention bei HamSphere liegt (ähnlich wie auch schon früher im "realen" Amateurfunk) weniger darin, eine Art "Wettbewerb" zu betreiben und möglichst viele Länder im Log zu haben, als vielmehr einfach nette Kontakte weltweit zu finden und auch Gespräche mit bereits bekannten Stationen später aufzugreifen.
Dabei arbeite ich beispielsweise sehr stark Richtung USA und Kanada, aber grundsätzlich ist mir das Land zunächst egal.
Es geht mehr darum, mit wenig Aufwand (verglichen mit realem HF-Funk) nette Gespräche/Kontakte zu finden, die auch mal über das übliche "QTH is.... Temperature is.... Localtime is.... will send you my QSL-Card, 73, bye bye..." usw. hinaus gehen.

Im "richtigen" Amateurfunk hat man wenigstens noch unterschiedliche Transceiver und Antennen, über die man kurz reden kann. Das fällt hier durch dasselbe "Gerät" ebenfalls weg und Vielen fehlt einfach der Gesprächsstoff.
Mein Vorteil hier ist z.B. das Thema "Fliegerei/Luftfahrt", da ich festgestellt habe, dass hier ebenfalls recht viele (Ex-)Piloten unterwegs sind, teils sogar noch aus der deutschen US-Airforce Zeit.
So kommen immer wieder interessante Gespräche zustande, die natürlich zu 99,99% auf Englisch verlaufen - aus nachvollziehbaren Gründen (wer spricht schon weltweit Deutsch?).

Das ist mir persönlich lieber, als in endlosen "Pile ups" und ähnlichem rekordverdächtig kurze und viele "You're 5 by 9, thanks, 73, tschüss!" Verbindungen abzureißen, die recht unpersönlich verlaufen. Ich muss kein "Weltmeister" in der Anzahl von QSO's oder gar "gearbeiteten Ländern" werden, das liegt nicht in meinem Interesse. Dafür ist eine VoIP-Verbindung auch nicht "real" genug und weiter kein großes Kunststück.
Der Kitzel liegt da eher im realen Amateurfunk mit vergleichsweise "magerem" Equipment und nicht gerade 2500 Watt, wenn man damit trotzdem "aus der Schüssel kommt" und etliche Länder erreicht.
Auf HamSphere "alle Regler aufdrehen", den richtigen Server finden und damit dann mit gepflasterten S9 + 20dB und Radio Schießmichtot Süd-Australien erreichen kann (fast) jeder. :))

Aber ich staune, wie häufig doch mittendrin oder am Ende eines QSO's plötzlich deutsche Brocken eingestreut werden oder gar fließend ganze Sätze auf Deutsch gesprochen werden, sobald das Gegenüber weiß, dass es mit einer deutschen Station spricht. :)
Und zwar nicht nur aus dem europäischen Raum, sondern recht oft auch aus den USA, aus Indien oder gar Süd-Korea! Auch Israel ist da öfter mal Deutsch vertreten und manche OM's dort haben sogar deutsche Vorfahren oder Familienangehörige. Während sehr viele US-User hier einige Zeit in Deutschland gearbeitet haben und aus der Zeit einiges zu berichten haben. Das freut mich immer wieder und es ergeben sich viele nette Kontakte.
Von daher muss ich hier gar nicht unbedingt Deutsch reden, das tue ich ja im "realen Leben" schon die ganze Zeit. :))

Das ist aber wie gesagt nur meine ganz persönliche Situation, ich weiß dass es viele deutsche (bzw. deutschsprachige) User ganz anders sehen.
Manchmal ergeben sich auch Kontakte mit Schweiz, Österreich oder anderen deutschen Stationen, aber insgesamt sind sie hier wohl recht rar gesät.


LG
Jörg

73 and good DX from Jörg :-)
JO31ok
Bochum / Germany
Re: HamSphere-Hotspotting
2013-12-04 08:18
Lieber Jörg!

Ganz meine Rede - siehe http://oe5akm.jimdo.com/mix/aroip-und-trotzdem-spannend - Ich muss allerdings eingestehen, dass mir Englisch auch nicht so flüssig über die Lippen kommt, wie ich das gern hätte!

73, Alfred OE5AKM
Re: HamSphere-Hotspotting
2013-12-04 18:05
Hallo lieber Alfred,

danke für den Link, den Artikel hast Du sehr schön geschrieben und der Tenor spricht mir praktisch exakt aus der Seele.
Sicherlich sind die Intentionen, HamSphere und vergleichbare Systeme zu betreiben/benutzen, völlig unterschiedlich und jeder hat da so "seinen Stil".

Ich staune auch z.B. oft darüber, dass gerade lizenzierte Amateure häufig an (Funk-)Disziplin zu wünschen lassen oder gar regelrecht Schwierigkeiten mit dem "funkorganisatorischen Ablauf", dem Merken/Wiederholen von Callsigns, bestimmten Phrasierungen usw. haben , während gleichzeitig paradoxerweise gerade HS-Callsigns bzw. "Nicht-Realfunker" meist eine beachtenswerte Disziplin an den Tag legen, sehr "professionelle" QSO's führen und auch "brav" die Callsigns wiederholen. :)

Man sieht also, dass es nicht so sehr darauf ankommt, "wer mal was gelernt & praktiziert hat", sondern vielmehr auf die persönliche Einstellung zu der Sache und vllt. auch die mentalen Fähigkeiten. Gerade hier fällt mir das sehr häufig auf (wobei es Beide natürlich immer auf beiden Seiten gibt).
Viele Amateure hier nutzen inzwischen fast ausschließlich HS, weil es deutlich einfacher ist und trotzdem mehr Möglichkeiten bietet, obwohl sie zuhause noch das Super-Equipment stehen haben. Und sie haben Spaß an der Sache und an teils längeren Gesprächen, das finde ich klasse.
Nur bei einigen (mit Real-Rufzeichen) habe ich manchmal halt den Eindruck, sie tun sich 1. mit der "Betriebssprache" und den Abläufen im Funk etwas schwer - und haben 2. nur die Intention, möglichst viele Wettbewerbe zu "gewinnen".

Auch mit der Computer-Technik und dem Verständnis über Soundkarten/Mikrofonen usw. tun sich einige schwer, obwohl sie doch alle mal eine Prüfung in Sachen NF und Hochfrequenztechnik abgelegt haben. Zumindest zu "meiner Zeit" (ist lange her, 70er Jahre) gehörte Technik noch zur Prüfung und man setzte ein "allgemein E-technisches Verständnis" bei allen Funkamateuren schlicht voraus.
Gerade Funker sind häufig hoffnungslos übermoduliert, bekommen laufend Splatter-Meldungen vom System und wissen nichts dagegen zu unternehmen. "Mike-Gain" oder Mic-Level sagen ihnen erstaunlicherweise oft nichts (gibts die an ihren realen Geräten nicht?) und auch auf Hinweise Anderer reagieren Manche eher unbeholfen bzw. verständnislos.

Von der Logik her müsste das doch eigentlich eher umgekehrt sein (dass Realfunker den HS-Leuten erklären, wie es geht).
Das hatte ich auch in einzelnen QSO's schon mal angesprochen und bei diesem "Phänomen" gaben mir etliche Recht, weil ihnen das auch schon aufgefallen war.
Zumindest hier auf HamSphere kann man also absolut nicht sagen, dass lizenzierte HF'ler die "besseren Funker" seien. Es ist völlig unterschiedlich und liegt eher an der Person. Bei manchen hat man schlicht den Eindruck, sie hätten ihre Prüfung erst gestern (und mit Ach und Krach) gemacht. :))

Vor allem staune ich immer wieder darüber, dass GERADE "reale" Rufzeichen hier häufig in bestehende QSO's reinplatzen mit "CQ DX...CQ DX... this is....", so als wäre man alleine auf der Frequenz. Selbst wenn 3 oder 4 Stationen dann darum bitten (von denen mit Sicherheit 2-3 auf jeden Fall gehört werden), entweder für ein CQ ein QSY vorzunehmen oder sich an der laufenden QSO-Gruppe zu beteiligen, kommt sehr häufig keine Reaktion und man ruft fröhlich weiter CQ.... wohlgemerkt als lizenzierter Amateurfunker! Wundert mich immer wieder. Wie gesagt: Disziplin... oder manchmal wohl auch (fehlende) Kenntnisse.

Oder vorgestern dann der "Klassiker": Ein Amateur ruft eine andere Station (auch wieder im laufenden QSO) mit "CQ CQ CQ die Station XY1ABC von ZA2DEF...." usw. Über mehrere Minuten. Auch mein freundlicher Hinweis, dass man eine Station nicht per "CQ" ruft, sondern das eher als allgemeiner Anruf gedacht ist (dachte, das hätte er als Amateur mal gelernt) und vielleicht deswegen keine Reaktion erfolgt (weil falsch verstanden), verpuffte ohne Reaktion und man rief fröhlich weiter in das QSO hinein.
Auch die gehäuften "Doubling! Pls. don't call CQ on 12.345.00, QSO..." Meldungen diverser User in der Chatbox wurden nicht gesehen oder ignoriert.
Solche Dinge verwundern einen dann schon manchmal, gibts aber im "realen Funk" auch schon mal.
Etwas mal nicht zu hören und nen Fehler zu machen (kann immer mal passieren - uns allen) ist die eine Sache, es dann aber konsequent von allen Seiten zu ignorieren eine ganz andere.Da muss man fast schon Absicht unterstellen. Dass 3, 4 oder 5 Stationen (mit starken Signalen) nicht gehört werden, man aber auf Antwort auf seinen Ruf hofft und DAS dann hören will, ist eigentlich kaum zu glauben. Zumal der Gerufene wirklich nicht auf der Frequenz war (auch nicht laut Cluster) und entsprechend auch nicht antwortete.

Übrigens ist mein Englisch in den letzten 10 Jahren auch ziemlich eingerostet (auch wenn viele Muttersprachler immer wieder Komplimente darüber machen, die ich dann nicht glauben kann) - schriftlich ja, aber ca. 10 Jahre lang kaum mündlich - aber genau das ist ein Grund mehr für mich, HamSphere zu benutzen. Da kann ich das wieder schön üben und merke, dass es wieder etwas "flüssiger" wird. :) Ist gar kein schlechtes Trainingsgelände, gerade mit Muttersprachlern unterschiedlicher Herkunft.

LG und 73, Jörg

73 and good DX from Jörg :-)
JO31ok
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